Abenteuer Korea

Als mein Freund und Trainingspartner Leon und ich uns im Februar ausmalten, wie cool es denn wäre, den Sommer in Korea zum Trainieren zu verbringen, um unseren Shorttrack-Horizont zu erweitern, wussten wir noch nicht, dass sich dieser Wunsch so schnell erfüllen würde.

Jeon Ji-soo, eine Short-Trackerin aus dem koreanischen Welt-Cup Team, fragte ich bei einem der Welt-Cups einfach mal, wie die Koreaner denn generell darüber denken, wenn ausländische Sportler bei ihnen mittrainieren wollen. Sie war von Anfang an sehr von unserer Idee begeistert und hat uns versprochen, sich für uns bei den Trainern eines Clubs zu erkundigen.

Nur ein paar Wochen später kam dann die Antwort. Wir waren herzlich eingeladen, für einige Wochen zusammen mit dem Team der „Korea National Sports University“ in Seoul zu trainieren. Unser letztes Hindernis war also die Finanzierung des Trainingstrips, wobei mir aber glücklicherweise meine Sponsoren DKB und Axelent unter die Arme griffen und unser Reiseportemonnaie doch erheblich entlasten konnten.





Am 20. Juli war es dann soweit: Direkt nach unserem Sommereis-Trainingslager in Inzell (Video) flogen wir von München über Doha nach Seoul.

Koreanisches Essen

Die ersten Tage waren ziemlich hart - in allen Aspekten. Von der ersten Nacht an geplagt vom Jetlag fiel uns das Hineinfinden in die eher unbekannte Kultur recht schwer. Vor allem die Nahrungssuche war für uns Europäer in der koreanischen Küche anfangs nicht leicht. Ebenso die große Sprachbarriere – die wenigsten sprechen dort auch nur passabel Englisch – sorgte dafür, dass wir uns eher fremd auf dem asiatischen Kontinent fühlten. Dementsprechend hart war auch das Training, da wir uns noch die komplette erste Woche sehr schlapp fühlten und irgendwie energielos. Wenn man dann auch noch täglich die wenige verbliebene Energie zu 100% ins Training steckt, kann es schon mal passieren, dass man auf dem Rückweg vom Training in der U-Bahn einschläft.
Langsam aber sicher erging es uns dann aber besser und wir konnten mehr und mehr Energie ins Training stecken, was meist aber dazu führte, dass wir oft Mittagsschlaf halten mussten, um für die zweite Einheit an dem Tag Kraft zu tanken. Nach und nach fanden wir aber unseren Weg, wussten so langsam, wo man am besten einkaufen geht, wie man am schnellsten mit der U-Bahn zur Eishalle kommt, was und wo man am besten nach dem Training zu Abend isst und auch beim Training ging Stück für Stück bergauf.

Unser Trainer erzählte uns, dass es in Seoul insgesamt ca. 12 Eishallen mit jeweils einem eigenen Schulteam gibt. Wir trainierten im Team der „Korea National Sport University“, aus dem beispielsweise die Weltmeisterinnen Shim Suk-Hee und Choi Min-Jeong hervorgingen und auch heute noch – zumindest an den Wochenenden – mit „unserem“ Team trainieren.





Die Trainer hießen uns von Anfang an herzlich willkommen und waren auch die ganze Zeit über sehr nett zu uns und halfen gerne, wenn wir irgendwie Unterstützung benötigten.
In Korea wird beim Training verglichen mit Deutschland mehr Wert darauf gelegt, sportartspezifisch zu trainieren. In unserer Trainingsgruppe war die Jüngste 8 und der Älteste 17 Jahre alt, doch das Alter spielt sowieso kaum eine Rolle. Wenn du gut genug bist, um die vielen Runden hinterherzulaufen, darfst du auch mittrainieren.




Vor allem technisch haben wir uns auf jeden Fall Einiges abschauen können und auch wertvolle Tipps bekommen. Außerdem hat man echt gelernt, zu kämpfen und zu beißen, denn bei so vielen Runden muss man seinen Schweinehund von Runde zu Runde erneut überwinden.

Und so vergingen die Tage dann doch relativ schnell, denn morgens ging das Eistraining von 7 Uhr bis 9 Uhr, nachmittags dauerte das Land-/Imitationstraining von 17:30 bis 19:30 Uhr und anschließend standen wir von 20 bis 22 Uhr zum zweiten Mal auf dem Eis. Und dieser Ablauf galt für alle 7 Tage in der Woche – keine Zeit für Pause am Wochenende. An diesen Trainingszeiten sieht man, dass es für uns oft gar nicht anders machbar war, als mittags zu schlafen oder uns mal den ein oder anderen Nachmittag frei zu nehmen.

Doch neben dem vielen Training konnten wir auch mal einen Juniorenwettkampf außerhalb von Seoul mit anschauen. Es war wirklich erstaunlich, was die Kinder in dem Alter schon leisten und wie viele junge Sportler in diesem Land Short Track trainieren.

Trotz des vielen Trainings hatten wir auch Zeit, uns die südkoreanische Hauptstadt ein wenig genauer anzuschauen, als es sonst bei den kurzen Weltcupaufenthalten möglich ist. Wir wohnten in einem zweistöckigen, schnuckeligen Apartment relativ zentral und konnten ziemlich gut mit der U-Bahn die Stadt erkunden. Der Kontrast zwischen den teils sehr alten und heruntergekommenen Stadtteilen und den im Zentrum stehenden nagelneuen Wolkenkratzern ist ziemlich krass in Seoul, aber das verleiht dieser Stadt eben das gewisse Etwas. Doch leider habe ich in dieser riesigen Stadt immer noch das Gefühl gehabt, nicht mal annähernd alles gesehen zu haben.

Die 3,5 Wochen im feuchtwarmen Seoul waren letztendlich dann doch schneller um, als wir dachten. Nach dem letzten Frühtraining wurden wir vom Team nach einem gemeinsamen Frühstück mit kleinen Geschenken verabschiedet und obwohl wir die Heimat teilweise sehr stark vermissten, waren wir an diesem Tag schon ein wenig wehmütig. Doch es nützte alles nichts, denn in der Nacht vom 13. August ging eben nun mal unser Flieger zurück nach Hause.

Wenn ich jetzt so an die Zeit in Seoul zurückdenke, kommen mir die Wochen ein wenig vor, als wären wir in einer anderen Welt gewesen. Die extreme Disziplin und Professionalität in dem jungen Alter dieser Kinder haben mich extrem beeindruckt. Die Tatsache, dass bei einem Juniorenteam immer drei Trainer stehen, macht deutlich, dass da ein ganz anderes System dahintersteckt und die Sportart einen sehr hohen Stellenwert hat.

Ich bin wirklich froh, dass ich die Chance hatte, diese ganz spezielle Art von Training und Kultur kennenlernen zu dürfen und habe unglaublich viel davon mitgenommen und gelernt -und das nicht nur sportlich, sondern auch menschlich.